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Bessere Chancen durch Nachhilfe: Sozialpolitische Optionen

Veröffentlicht am von Birgit Riße

Bessere Chancen durch Nachhilfe: Sozialpolitische Optionen

Bildungschancen für alle. Sozialpolitische Optionen

Mehr Demokratie und Bildung für alle - so waren die Bildungsreformen in den 70er Jahren für den Anspruch auf Chancengleichheit eingetreten. Mit dem Prinzip von Sozialstaat und sozialer Sicherung verband sich gerade auch die Forderung für eine bestmögliche Bildung und Ausbildung zum Bürgerrecht ohne Schulgeld:

Sichtbar wurde der bildungspolitische Umschwung in den Umstrukturierungen bei Lernzielen und Unterrichtsformen sowie innerhalb der Schulstufen bis hin zu den Möglichkeiten des zweiten Bildungswegs und das Studenten- und Schülerbarfög (damals ohne Rückzahlung).

Jahrzehnte des Wandels von Wirtschaft, Arbeit und Sozialstaat konfrontieren diesen Anspruch nun politisch "kleingearbeitet" bei finanziellen Einsparungen mit einer veränderten Realität in der globalisierten Gegenwartsgesellschaft.

Dabei stehen Schulen und Lehrer durch die sozialen Veränderungen in den Familien, den Lebenslagen und dem Aufwachsen von Kindern weitaus komplexeren Anforderungen gegenüber, die über die Aspekte von Lernzielen, Wissen, Kompetenzen und Unterricht hinausgehen.

Soziale Probleme werden aus den Familien in den Unterricht hineingetragen und müssen von den Schulen aufgefangen werden. Längst hat sich der ursprüngliche Bildungsauftrag der Schulen zu neuen ergänzenden Aufgaben der Erziehung und Sozialarbeit erweitert.

Verschärfte soziale Konflikte an Schulen, Mobbing und Schulverweigerung (Stichworte Integration, Förderung und Arbeitsmarktchancen) wurden nicht nur durch die öffentliche Aufmerksamkeit für die "Rüttli-Schule" bewusst, sondern sind Anteil des Schulalltags einer größeren Anzahl von Schulen geworden.

Gleichzeitig kennzeichnen die bereits beschriebene Steigerung des Leistungsdrucks und die Intensivierung von Lerninhalten die Charakteristik gegenwärtiger Schulsituation.

Sicherlich kann mit der flächendeckenden Einrichtung von Ganztagsschulen und ihrer nachmittäglichen Hausaufgabenbetreuung die Problemsituation entschärft werden. - Doch rücken auch hier wiederum die gleichen Ursachen und Gründe für das Inanspruchnehmen von außerschulischer Nachhilfe in den Vordergrund. Auch im Ganztagsschulenland Luxemburg z.B. haben 50 % der befragten Schüler aus der Sek II trotz ganztägiger Betreuung zusätzlich Nachhilfe.

Mit dem Recht auf bestmögliche Bildung für alle verbindet sich heute somit die Frage nach Chancengleichheit in zweierlei Hinsicht:

  • Vielfalt an Möglichkeiten und Chancen für Bildung auch außerhalb des öffentlichen Schulsystems

Insofern erfolgreiche Nachhilfe zusätzliche Bildungschancen gewährt, indem das individuelle Leistungspotential des Schülers aktiviert wird, das in der Schule nicht hinreichend gefördert wird, wirkt Nachhilfe den Benachteiligungen innerhalb des Schulsystems entgegen.

In diesem Sinne greifen Eltern mit Nachhilfe zur aktiven Selbsthilfe für die Erweiterung der Schulchancen ihres Kindes und seiner individuellen Leistungsprobleme - quer durch alle sozialen Schichten.

  • Offener Zugang für alle durch öffentliche Förderung von einkommensschwachen Familien

Mit Blick auf die Einkommenslage der Eltern stellt sich weniger das Verbot von Nachhilfe zugunsten des alleinigen Ausbaus des schulischen Angebots an Ganztagsschulen. Vielmehr wird es notwendig sein, die Chancenerweiterung auch für einkommensschwache Familien durch öffentliche Förderungsmittel auszubauen (wie sie ja ansatzweise bereits durch die Einführung des Bildungspakets berücksichtigt worden ist).

Erforderlich wird diese aber eben nicht nur bei gefährdeter Versetzung, sondern auch für bessere Noten und für bessere Abschlüsse!

Chancengleichheit fordert eine Aufhebung der Beschränkungen öffentlicher Förderung auf das Minimale im letzten Augenblick. Von der Politik verlangt sie, auch bei der öffentlichen Förderung den Blick auf diejenigen Ursachen, Motive und Wirksamkeiten zu richten, mit denen Schüler Nachhilfe nutzen und sich verbessern.

Dazu gehört auch die Unterstützung von außerschulischen speziellen Förderungen für Schüler wie z.B. der Intensivunterricht bei Lernschwächen wie LRS & Dyskalkulie, für Sprachförderung etc, - oder aber auch direkt anlassbezogene Förderungen für effektive Lernmethoden und Lernkompetenz, Bewerbungstraining etc.

In anderen Ländern wie z.B. Beispiel in England, USA und Frankreich werden ergänzende außerschulische Bildungsmaßnahmen weniger ängstlich verfolgt, sondern weitreichend staatlich subventioniert. In Frankreich ist Nachhilfe von den Steuern absetzbar.

Bessere Chancen durch Nachhilfe: Sozialpolitische Optionen
Bessere Chancen durch Nachhilfe: Sozialpolitische Optionen

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